Demographie + KI + Jobs

Bundeskanzler Friedrich Merz (BuKaFriMe) vertritt die Auffassung die Deutschen müssen mehr arbeiten. Flexibler, fleissiger, freudiger … vor allem aber auch länger … flexibel bis maximal 48 Std./Woche… ggfls. zzgl. steuerfreier Überstunden ergänzt um die Option der Aktiv-Rente ab Regelaltersgrenze ca. 67 Jahre wo im Rentenalter mit Rentenbezug freiwillig weitergearbeitet und max 2.000,- € mtl. steuerfrei hinzuverdient werden darf und soll.

Wow, … das ist ja mal ein multi – flicflac rückwärts bis nach 1918/19 resp. in die 50 – er  Jahre der Nachkriegszeit. Mehr als 100 Jahre „Arbeitskampf“ … ein Wisch und weg. 

Und das Problem der Altersarmut wegen zu niedriger Rentenansprüche – das sind diejenigen die die Option dürfen und sollen gar nicht haben, denn die müssen eigentlich –  durch freiwillige Mitarbeit Hochbetagter direkt mitgelöst.

Ist das sportlich, genial oder ist das Größenwahn … oder vielleicht doch vollkommen plemplem ?

friedrich merz und die faulen zwerge

Nein, das scheint aus der Verzweiflung geboren

Das Problem ist die demographische Entwicklung in Deutschland. Die erhebliche Zahl der in den nächsten 10 Jahren bis 2036 aus dem Berufsleben altersbedingt ausscheidenden Menschen ca 13 Mio (fast 30% aller Beschäftigten) wird bei weitem nicht durch eine annähernd gleiche Anzahl nachrückender Menschen aufgefüllt um unser umlagebasiertes resp. aus dem Bundeshaushalt aufgefülltes Renten – und Sozialsystem stabil zu halten.

…. das ist das erste Problem

Weniger Arbeitskräfte bedeutet aber ( – zunächst einmal – ) auch weniger Leistungsfähigkeit, weniger Know How und kreativer Input, weniger Produktivität, weniger Output von allem was irgendwie produziert und verumsatzt werden kann.

Das führt dann zu Wettbewerbsnachteilen sinkenden Marktanteilen, reduzierten Gewinnen, geringerem Steueraufkommen, klammen Finanzen und Rückgang des Wohlstandes …

…. das ist das zweite Problem …

… solange nicht dieser Produktivitätsrückgang wegen des abnehmenden Faktors Mensch durch den Faktor Technologie ersetzt werden kann.

Wenn die Zahl der durch Verrentung freiwerdenden Arbeitsplätze gleichzeitig dann auch entfallen kann, weil der Einsatz von effizienter/produktiver Technologie mindestens den gleichen Output ermöglicht wie vorher, dann ist das zweite Problem damit gelöst.

Vor diesem Hintergrund kommen … – HURRA – … KI + Humanoide Robotik … für Deutschland zur richtigen Zeit …. allerdings

… die Effekte mögen zwar grundsätzlich gleichzeitig auftreten, verlaufen aber nicht für alle Berufsfelder gleichartig, auch nicht parallel und sind auch nicht „gleichwertig“.

Aktuelle Studien ( IAB, Deloitte, WEF) stellen die Lücke in Mio zwischen freiwerdenden Arbeitsplätzen und unzureichender Zahl nachrückender Arbeitskräfte in den nächste Jahren wie folgt dar:

In Mio Arbeitsplätze

2027

2029

2031

2033

2035

Kumulierende Lücke Arbeitskräfte

1,2

2,5

4,2

5,8

7,0

Vor – Stichtag + zzgl.

 

1,3

1,7

1,6

1,2

Stellenkompensation durch KI / Robotik

0,3

0,7

1,2

1,8

2,5

Kompensationszuwachs

 

0,4

0,5

0,6

0,7

Wesentlich betroffene Branchen

Büro, Verwaltung

Kaufmännische Berufe, Service

Steuer-,Rechts- beratung, Produktion

Lager, Logistik (autonome Flotten)

Überall, vollständige Durchdringung

Nettolücke Arb.Platz nach Kompensation d. KI/Rob.

0,9

1,8

3,0

4,0

4,5

Quellen:

  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilungen zur Erwerbspersonenvorausberechnung (2024/2025).
  • IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung): Forschungsbericht 23|2025 zur Künstlichen Intelligenz und Projektionen bis 2060.
  • Deloitte: Studie „Die Jobs der Zukunft“ (Szenarien bis 2035).
  • IW Köln: Analysen zum Fachkräftemangel und zur Babyboomer-Generation.
friedrich merz und buch

Dazu führen die Ersteller der Studien in Ihrer Analyse nach Berufsbildern (Fokus 2027–2035) aus:

1. Büro und Verwaltung / Kaufmännische Berufe

Hier ist das Substitutionspotenzial am höchsten (bis zu 40–50 % der Tätigkeiten). KI-Agenten übernehmen Terminplanung, Datenerfassung und einfache Sachbearbeitung. Der Stellenwegfall könnte hier den demografischen Mangel fast „ausgleichen“, was zu einer Entlastung der Verwaltung führt.

2. Steuerberatung & Rechtsberatung

Standardisierbare Aufgaben (Buchhaltung, einfache Steuererklärungen, Vertragsprüfungen) werden bis 2035 massiv durch KI ersetzt. Hier fallen vor allem Stellen für Assistenten und Sachbearbeiter weg; die beratende Expertise bleibt menschlich, wird aber effizienter.

3. Lagerhaltung und Logistik

Hier kommen Humanoide Roboter ins Spiel. Während KI die Routen optimiert, werden Roboter (wie Teslas Optimus oder Figures Modelle) zunehmend das Be- und Entladen sowie das Kommissionieren übernehmen. Dies ist eine direkte Antwort auf den extremen Personalmangel in dieser Branche.

4. Produktion und Fertigung

Die klassische Automatisierung wird durch KI-gestützte, adaptive Roboter ergänzt, die auch in kleinen Losgrößen arbeiten können. Da hier viele Babyboomer ausscheiden, ist die Technologie hier eher eine Überlebensstrategie als ein Arbeitsplatzvernichter.

5. Übrige Berufsbilder (Handwerk, Pflege, Soziales)

In diesen Bereichen ist das technologische Potenzial geringer (Empathie, physische Flexibilität). Hier wird die Demographielücke voll durchschlagen und zu massiven Versorgungsengpässen führen, da KI hier kaum Stellen „ersetzen“ kann.

Der Punkt …

Folgt man den Werten der Tabelle, dann wird die für 2035 gezeigte Differenz 4,5 Mio. fehlender Arbeitskräfte zur Schlussfolgerung führen die auch BuKaFriMe offiziell zieht … zur Aufrechterhaltung der Zielproduktivität müssen – trotz KI + Robotik – alle mehr arbeiten.

Von Job-Verlust durch KI + Robotik kann dann nur die Rede sein, wenn von einem Betroffenen trotz des sonst allenthalben angenommenen Bedarfs – insbesondere der Pflege – tatsächlich keine alternative Beschäftigung ergriffen werden kann

Und obwohl Talente und Fähigkeiten von Menschen unterschiedlich sind, so wird es denjenigen, der geistig und körperlich gesund  – nur und ausschliesslich in einer kaufmännischen Verwaltung arbeiten kann, sicher nicht geben. Er „wird auch anders können.“

Bis hierhin würde das alles „auf das zweite Problem“ einzahlen. Der Produktivitätsrückgang wird „aufgefangen“ … obwohl die Anzahl der arbeitenden Menschen deutlich abgenommen haben wird. „Leere Arbeitsplätze“ werden mit Mehrarbeit ausgeglichen.

Das ist sportlich.

friedrich merz als taktgeber
friedrich merz demo modern

Diese Logik resp. die offenbar empfundene Notwendigkeit dieser Logik folgen zu müssen ignoriert Konzepte wie „Achtsamkeit / Selfcare“, „work-life Balance“, „Entschleunigung“ – Themen der aktuellen Generation – vollkommen bzw. opfert sie auf dem Altar „der Wohlstandssicherung nach erlernter Bewertung“ und offenbart demaskierend deutlich in welchem Wertekanon die schlussfolgernden Leser resp. Anwender der Studie gefangen sind, die dann Politik und Schicksal machen.

Und dann haben wir ja auch noch „das erste Problem“ … der instabilen Sozialsysteme

Nun zahlt weder die KI noch der Roboter der die anderen „leeren Arbeitsplätze“ kompensiert bislang in die Sozialsysteme ein … gut das kann man durch eine Technologieabgabe ändern … aber der länger arbeitende Mensch tut es durch die an seinen Mehrverdienst gekoppelten Sozialabgaben.

Wir alle im Hochtechnologieland Deutschland müssen resp. sollen auf freiwilliger Basis einer flexiblen Arbeitswoche mit bis zu 48 Stunden Arbeitszeit entgegensehen und dürfen uns ab dem 67 Lebensjahr auf eine aktive Rentenarbeitszeit freuen … sofern wir nicht vorher mit viel Fleiss zu auskömmlichem Reichtum kommen konnten.

Ja, …. und das löst natürlich das Rentenproblem.

Wer zu wenig Rente hat, geht halt noch ein bisschen nebenbei arbeiten. Bis zu 2.000,- € mtl. steuerfrei ! … naja, abzüglich Sozialabgaben. 

Welchen Stundensatz sollen wir denn mal annehmen ? 25,- € = 80 Std. pro Monat …. oder für den ehemaligen leitenden Angestellten 50,- € = 40 Std. Pro Monat ?

Da ist sogar noch Luft drin für den Fall, falls die Rente mangels Einzahlungen oder Haushaltsmitteln doch noch mal abgesenkt werden müsste.

Also doch genial ?

Welche Art ein solcher durch Senioren ausgeübter Job sein könnte ist mir noch unklar.

  1. der gleiche Job wie der vorher ausgeübte im nahtlosen Übergang ab 67 LJ mit dem Unterschied, dass nun der Arbeitgeber nur noch 2.000,- € + Sozialversicherungsanteil zahlt ? Wie wunderbar. Als Arbeitgeber leiste ich mir einen gut ausgebildeten Senior für 2000,- € + SV der von der Rentenversicherung subventioniert wird ? Warum wird er dann auf Wunsch nicht einfach normal weiterbezahlt und später verrentet ?
  1. Um 1. zu verhindern müsste man einen zwingenden Arbeitgeberwechsel vornehmen ? Vielleicht auch was Neues ? Bislang kaufmännische Verwaltung, nun Gärtner ? .. oder Wachpersonal zur Unterstützung der Wachroboter ? Oder bislang CNC – Fräser und nun Kindergärtner ? Senioren pflegen Senioren ?  Drohnenpilot für Pizzalieferservice ? … und als Benefit einen Parkplatz für den Rollator  … Rabatt auf Betablocker ?
  1. Oder kreieren wir irgendwelche Bullshit-Jobs ?
aktiv rente oma
aktiv rente opa

Es wird zudem auch noch optimierende Synergieeffekte geben.

Wer in seinem Arbeitsleben regelmäßig 48 Stundenwochen (+steuerfreier Überstunden) geleistet hat – möglicherweise auch noch in einem Beruf der nicht immer als sinnerfüllend empfunden wurde – der dann körperlich oder mental verschlissen ist – und dann seine Rente ab 67 noch mit einer Aktiv-Rente aufbessern muss/darf … der muss das dann vermutlich zumindest nicht mehr lange tun.

Das entlastet die Sozialsysteme.

Heute gibt es die Auffassung, es leben heute schon die ersten Menschen die Dank des medizinischen Fortschritts einhergehend mit den technologischen Erleichterungen des Alltags 110 – 120 Jahre alt werden können. Die Wahrscheinlichkeit dass dies unter diesem Kurs dann ein Deutscher Durchschnittsverdiener sein wird, ist verschwindend gering.

Na, … dann also doch plemplem.

Die Architekten der Agenda Friedrich Merz haben eine Lösung und der Schieberegler dazu heisst Vollgas / voll Fahrt voraus. Das ist Maschinenfahrt auf Verschleisskurs.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das keine Meuterei gibt.

Und ausserdem …

… erscheint mir die Prognose zur Stellenkompensation durch durch KI für zu konservativ angesetzt.

friedrich merz volle kraft voraus

Der Effekt des Arbeitskräfterückganges durch Verrentung der Babyboomer erreicht in 2031 seinen Höhepunkt und flacht danach etwas ab.

Einer bis 2031 kumulierten Arbeitskräftelücke von 4,2 Mio wird eine Kompensation durch KI i.H.v. 1,2 Mio Arbeitsplätzen gegenübergestellt. Es verbleibt eine durch Mehrarbeit zu schliessende Lücke von 3,0 Mio Arbeitskräften.

Aktuell gibt es in den zusammengefassten Bereichen Büro + Verwaltung, kaufmännische Berufe, Service ca. 15 Mio Arbeitsplätze, davon ca. 12,5 Mio in Unternehmen, ca. 1,0 Mio Beamte und ca.1,5 Mio Selbstständige. (Quelle IW + destatis, Institut der Deutschen Wirtschaft und Statistisches Bundesamt)

Die prognostizierte Kompensationskapazität durch KI soll bis 2031 lediglich 1,2 Mio Arbeitsplätze ausmachen, das entspricht lediglich 8 % von 15 Mio.

Die Lücke 3,0 Mio entspricht weiteren 20 % von 15 Mio

Die Effizienz von KI übersteigt die eines Menschen aktuell um das ca. 100-fache und nahezu wöchentlich kommt es zu weiteren Verbesserungen in Software, die in Anwendungsmöglichkeiten (sog. usecases) diese Effizienz dann auch nutzbar macht.

Die o.a. IAB Studie sieht das Substitutionspotenzial durch KI bei Büro, Verwaltung und kaufmännischen Berufen bei 40 % – 50 % – unter veränderten Parametern auch bei > 50 % – das liegt sehr weit über den hier lediglich gezeigten 28%  (4,2 Mio Arbeits-kräftelücke)

D.h. hier ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu keiner Lücke kommt deutlich. Eine vorausschauende Personalplanung kann das managen. (Leider ist die nur in sehr wenigen Unternehmen zu beobachten.)

Wenn allerdings das bis heute bereits erkennbare volle Substitutionspotenzial ca 50 % bis 2031 zur Entfaltung kommt – unbeachtlich denkbarer weiterer Entwicklungen zur noch weiteren Effizienzsteigerung – dann gibt es keine Arbeitskräftelücke sondern ein Überangebot von ca. 3 Mio. 

Hierzu dann ein „soft landing“ zu gestalten wird herausfordernd sein, kann aber durch die demographische Entwicklung über 2033 bis 2035 etwas abgemildert werden.

Wenn ich nun also das Szenario von BuKaFriMe auf das er seine Agenda und seine Politik und die Kräfte aller für Ihn handelnden Personen ausrichtet und die Wahrscheinlichkeit betrachte, dass ebendieses Szenario nicht eintritt, dann warne ich vor Kraftverschwendung in die falsche Richtung und appelliere, sich besser damit vertraut zu machen, wie man auf das genaue Gegenteil dieser Agenda vorbereitet sein will.

Das soll der Idee einer Arbeitszeitflexibilisierung auch in dem angedachten Korridor, den steuerfreien Überstunden und auch erst recht nicht der Aktiv-Rente auf jeweils freiwilliger Basis Abbruch tun. Den Rechtsrahmen zu haben ist besser als ihn zu brauchen. 

Ich bin lediglich der Auffassung, dass wir ihn nicht brauchen werden, sondern stattdessen sehr dringend und sehr ernsthaft auch andere Szenarien prüfen müssen.

Was mich zur abschliessenden Frage führt. Das Merz´sche Mehrarbeitskonzept basiert ja auf Freiwilligkeit. Wenn die Annahme einer trotz KI nur durch menschliche Mehrarbeit zu behandelnden Unterproduktivität zutreffen sollte, aber keiner dazu freiwillig mehr arbeiten will, wie kann oder will der verantwortlich Regierende dann das von Ihm propagierte Problem lösen ?

Glaubt er selbst nicht daran ? Führen wir dann eine überflüssige, sinnlose und nur zeitraubende aber medienwirksame Debatte ?

Cassius, 04.02.2026

(lest auch weitere Beiträge zum Thema KI / Humanoide Robotik + Transformationsschmerz Arbeitsleben)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert