Konsumklugheit … !

Die Kosten des einen sind der Umsatz des anderen.

Das ist feste Logik unserer hochfragmentiert arbeitsteiligen Welt.

Das macht Konsum zur Systemnotwendigkeit, zum Motor und zur Basis unserer Ökonomie.

Der Starter für den Motor aber ist die Innovationskraft die über menschliche Neugier, Ausprobieren und Spieltrieb, Forschung und Entwicklung zu Verfahren und Produkten führt, die nachgefragt werden, weil sie eine Problemlösung oder Bedürfnisbefriedigung ermöglichen.

Die Konsumfähigkeit ist abhängig von der Kaufkraft entlohnter geleisteter menschlicher Arbeit als Bestandteil jeder Wertschöpfungskette. Insofern ist menschliche Neugier und menschliche Arbeit der Treibstoff des Systems.

Kredite sind das Nitro im Treibstoff. Sie haben zur Emotionalisierung von Konsum geführt und können auch zur Überhitzung führen, letztlich ist aber auch da – angesichts des Kreditrückzahlungsanspruchs – die Höhe der Entlohnung der limitierende Faktor.

konsumklugheit

Reduziert man den Faktor „entlohnter Mensch“ in der Gleichung, nehmen auch Kaufkraft und Konsum ab, die Maschine stottert – nimmt man den Faktor ganz aus der Gleichung, dann stoppt der Konsum und damit auch die Ökonomie.

Veränderung & Konsequenz

Im Zuge technologischer Veränderungen durch KI und Robotik treten folgende Effekte ein:

  • Die Produktivität steigt => Die Ausbringungsmenge steigt
  • Die Freisetzung nicht mehr benötigter menschlicher Arbeitskräfte führt zur Kostensenkung =>
  • Die Effizienz steigt => Die Gewinne steigen
  • Die Kaufkraft sinkt

Transfereinkommen (Grundeinkommen, negative Einkommensteuer o.ä. ) müssen die Kaufkraft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stabilisieren.

Folgende Strategien zur Stabilisierung des Systems sind m.E. grundsätzlich denkbar.

  1. konsequentes Job – Sharing
      • konsequenter 4 Stundentag mit Schichtwechsel / 20 Stundenwoche für alle + Grundeinkommen für alle
  1. Kombination aus Grundeinkommen + Teilzeitjob oder Zusatzerwerb im „Zweitjob“ 
      • … für die Einen Grundeinkommen + Zweitjob nach Wahl + Verfügbarkeit
      • … für die Anderen Teilzeit im ausgeübten Anstellungsverhältnis + Grundeinkommen
  1. … für weitere Andere weiter Vollzeit im ausgeübten Anstellungsverhältnis
  2. Selbstständigkeit

Da die Transfereinkommen im Wesentlichen aus der Besteuerung der gestiegenen Gewinne finanziert werden, kann es nicht zu einer vollständigen Ersetzung der entfallenen Entlohnung kommen.

Ergänzende Finanzierungsquellen müssen erschlossen werden, z.B:

  • Erhöhte Besteuerung von Zinseinkünften, Mieten, Pachten, Beteiligungserträgen
  • Einsatz staatlich vereinnahmter Erbbauzinsen ( siehe auch Beiträge „Die Zukunftsstadt“ / „Eigentum … ? (1)“ )
  • Radikale Neugestaltung der sozialen Versicherungssysteme im Austausch zum Grundeinkommen

…. aber das Maß der Finanzierbarkeit wird begrenzt sein. Ein Grundeinkommen wird kein monatlicher Blankoscheck sein.

Wenn aber der Mensch insgesamt weniger lohnerwerbstätig sein kann und sein Einkommen möglicherweise aus einer Kombination von steuerfinanziertem Grundeinkommen und ergänzenden Nebenerwerben besteht, wird vermutlich die Summe des zur Verfügung stehenden Einkommens pro durchschnittlichem Haushalt geringer sein.

Weniger Budget bedeutet / erzwingt einen strukturellen Anpassungsdruck durch eine klügere Priorisierung des Konsumverhaltens.  

Däddi Durchschnitt
budget am tisch

Die Budgetpriorisierung hätte dann folgendes Ranking nach dem Kostenvolumen gefolgt von der Notwendigkeit des Bedarfes.

  • 1. Wohnen
  • 2. Nahrung + Körperpflege
  • 3. Kleidung
  • 4. Unterhaltung + Teilhabe, Telekommunikation, Kulturelles
  • 5. Mobilität
  • 6. Versicherungen und Vorsorge
  • 7. Sparen / Kreditrückzahlung

Die Überlegungen werden reiche Haushalte nicht betreffen, aber die Überlegung gilt der weitaus überwiegenden Anzahl durchschnittlicher und unterdurchschnittlicher Haushalte. 

Massgeblich ist dabei der Ein-Personenhaushalt als multiplizierbare Basis trotz Degressionseffekten bei Kosten für Wohnen + Energie für Mehr-Personenhaushalte. 

"Suffizienwirtschaft & Ökonomiereife"

Vor diesem Hintergrund sehe ich die Notwendigkeit zu einer Welt im Wandel zu einer „Suffizienzwirtschaft“ mit den folgenden deutlichen Ausprägungen: 

  • ernsthafte Kreislaufwirtschaft / Recycling, 
  • sharing Economy / Miete statt Eigentum
      • Geräte / Werkzeuge / Fernseher
      • Flexible Wohnräume / Büroräume / Gewerberäume
  • autonomes Fahren on demand statt privater PKWs (siehe auch den Beitrag Au… Auto !)
  • „Wertiger“ Konsum statt „fast fashion“ oder „fast furniture“ 
  • Zeitlosigkeit vor Trends

… in einer kulturellen Grundhaltung von „Suffizienz“ (genug statt mehr) als Maxime einer „gereiften Ökonomie“. Es wird deutlich bewusster und selektiver konsumiert.

Der entscheidende mentale Wandel ist, … „Genug ist genug“ … und besser als mehr.

  • Suffizienz bedeutet nicht Verzicht.
  • Suffizienz bedeutet bewusste Auswahl.

Das wird hoffentlich zu der Erkenntnis führen, dass „wertiger“ nachhaltiger Konsum sinnvoller ist und daher zu präferieren, als der Konsum von sogenannten „Wegwerfartikeln“ die auf Kurzlebigkeit angelegt und produziert werden. Die Wertschöpfung verschiebt sich von Volumen zu Lebensdauer.

Wenn diese Art der Güter nicht mehr nachgefragt werden, werden sie auch nicht mehr erzeugt. Die produzierenden Unternehmen müssen sich darauf einstellen. 

Höhere Qualität, Nachhaltigkeit, längere Produktlebenszyklen, Recycelbarkeit, Materialintelligenz, Systemintegration, Modularität, Wartungsfähigkeit, möglichst zeitloses Design.

Das Ergebnis insgesamt ist … „ein klügerer Konsum gebiert eine reifere Ökonomie“ 

gereifte Ökonomie

Willkommene Nebeneffekte sind

  • Weniger Energieverbrauch durch weniger Nonsens – Produktionen
  • Weniger Müll durch höhere Qualität und längere Produktlebenszyklen
  • Die Ressourcennutzung wird nachhaltiger und effizienter

Das ist nicht „moralisch“, das ist ökonomisch.

…. und denjenigen die jetzt aufheulen und „zwingend erforderliche Wachstumsdynamik“ und „Stagnationsgefahr“ reklamieren möchte ich folgendes „zurufen“

Geht davon aus, 

  • dass der Roboter nicht einkaufen geht
  • Dass eher knappe Budgets tendenziell zum klugen Haushalten zwingen 
  • Dass Bankfinanzierungen sowohl im Bereich Konsum als auch im Bereich Hausbau sehr deutlich rückläufig sein werden, nicht nur mangels Rückführungswahrscheinlichkeit sondern auch mangels Erwerbswunsch ( kein Auto, wenig Möbel etc,) aus dem Aspekt Miete für Nutzung statt Eigentum … und noch ist ein Kredit keine verdeckte Schenkung.

Die Innovation wird sich KI – gedopt eher beschleunigen (Chemie, Biologie, Pharmazie, Medizin, etc.), aber neue Produkte die an den Konsumenten-Endverbraucher adressiert sind wird der mieten und nicht kaufen. Er kann sonst mit seinem Budget der Innvoationsgeschwindigkeit in Software und Unterhaltungselektronik ohnehin nicht folgen, weil der neueste shit spätestens 4 Monate später auf den Markt rollt….. und ob die Innovation dann tatsächlich noch zu einem erlebbaren Nutzen-Mehrwert führt bleib abzuwarten.

Der wesentliche Absatz von Endverbraucherkonsumgütern erfolgt aus meiner Sicht in Zukunft an die Vermietungs-gesellschaften (ausser Lebensmittel, Kleidung, Hausrat).  

Schlussgedanke

Eine reife Wirtschaft misst sich nicht daran, wie schnell sie wächst, sondern wie stabil sie trägt.

Auch „ein Genug“ ist Wohlstand.

Cassius, 20.02.2026

Demnächst mehr zum Budget. (Lest auch die Blogbeiträge „Zukunftsstadt“, „Grundeinkommen“,“Eigentum… ?“(1) )

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