Was ist das denn nun für eine Art Eigentum für das die Käufer „von Land“ Geld zahlen ?
Welche Eigenschaften gehen denn normalerweise mit Eigentum einher ?
Man kann es transportieren und nach Gutdünken mit ihm umgehen, es kann unauffindbar verschwinden oder es kann auch vernichtet werden …. !
Das alles geht mit Land nicht. Es ist immobil … und heisst deswegen ja auch Immobilie – Taraaah – insbesondere wenn es bebaut ist … es kann nicht unauffindbar verschwinden und es kann zwar verwüstet, überschwemmt , verbrannt oder verseucht werden … aber nicht vernichtet. Es ist dann immer noch da … nur möglicherweise nicht mehr so ohne weiteres nutzbar.
Kann man denn wenigstens nach Gutdünken damit umgehen ?
Nun das war mal so.
Da war es zuerst Wiese, dann Weide, dann Acker, dann wurde es mit einem Haus oder Schloss bebaut, dann wurde das abgerissen … dann war es zunächst Wildnis, dann wieder Wiese usw.
Je kleinteiliger dieses Land aber wurde, umso näher rückten Eigentümer umliegenden Landes mit jeweils eigenen Nutzungsvorstellungen….
… und das ging dann so seinen üblichen Gang. Erst Schreierei, dann Klopperei … möglicherweise jahrzehntelang immer wieder neu…
Bis dann der Fürst der Region in der sich das Land befindet bzw. die dort zuständige Obrigkeit – obwohl kein „Eigentümer“ der betroffenen diversen Landstücke – entschied ein „Dekret“ zu erlassen d.h. eine „Nutzungsverordnung“ nach der sich zu richten sei.
(auch das wurde bis heute überaus detailliert fortentwickelt)
… und so kommt es, das der Mensch heute „Eigentümer“ einer Grundstücksparzelle ist, die er – sofern als „Bauland ausgewiesen“ und. „mit Baurecht“ ausgestattet zwar bebauen darf – dabei aber die Abstände, Abmessungen, Höhe, Dachform, Dachziegelfarbe, Design, Heizung und Art der Begrünung usw. in jeweils vorgeschriebener Form einzuhalten hat.
Wenn dies dann vollbracht ist, hat er jährlich Grundsteuer zu zahlen – auf etwas was ihm „gehört“ – und für „Verkehrssicherheit“ zu sorgen, was ausser Schneeräumung eine ordnungsgemäße Pflege und Erhaltung der Baulichkeit resp. deren Schutz vor Verfall beinhaltet.
Es geht z.B. auch nicht – bzw. es wir nicht toleriert – dass er sich auf seinem Grundstück zum Separatisten erklärt und ein eigenes Staatsgebiet innerhalb seiner Grenzen ausruft und sich eine eigene Verfassung gibt oder zum König krönt.
Man stelle sich das in einer Reihenhaussiedlung vor…..
Noch seltsamer ist die Betrachtung von Wohneigentum resp. Miteigentumsanteilen in einem zu Miteigentumsanteilen (MEA) aufgeteilten Mehrfamilienhaus.
Dort ist der einzelne Miteigentumsanteil der gelebten Demokratie der anderen Miteigentums-anteile unterworfen was einerseits hinsichtlich der Gesamtimmobilie eine Schicksalsgemeinschaft bildet, andererseits auch frustrierende Fremdbestimmtheit bis hin zum Eingriff in die übrige private Vermögenssphäre bedeuten kann….. und dies zum Preis der akustischen Teilnahme an der nachbarlichen Flatulenz, des nachbarlichen Ehelebens oder am Deathmetal-Konzert seines heranwachsenden Sprösslings.
Unvergesslich sind auch die Begegnungen mit angetrunkenen Nachbarn in Adiletten und Schiesser-Doppelrip mit Eingriff im Aufzug und in viel zu engen und schlecht beleuchteten Korridoren.
Warum hält der Mensch dann dies alles doch für erstrebenswert ?
Nun, …. ich denke nicht, dass er konkret das erstrebt.
Schutz und Sicherheit
Tief in seinem Innern hat der Mensch immer noch kreatürliche Angst vor Fressfeinden die ihn nächtens überfallen …. und er sucht immer noch die Höhle resp. die Burg, in die er sich mit Weib und Kind ans warme Feuer zurückziehen kann. Wo es sicher ist, … wo er sein Ding machen kann.
Natürlich, das abbezahlte Haus im Grünen auf einem genügend grossen Grundstück, dass man Ruhe vor den Nachbarn hat …. das kann diese Ansprüche vielleicht noch erfüllen ….
…. das kann die damit einhergehende Ansprüche an Erhaltung, Mobilitätserfordernisse und Infrastruktur vielleicht auch noch aufwiegen … eine gewisse Zeit.
Es wird immer einen gewissen Anteil an Menschen geben, die vermögend genug sind sich diesen Wohnstil zu erlauben … aber für die überwiegende Zahl Menschen wird dieser Zustand unerreichbar bleiben. Sie müssen Kompromisse eingehen. Die folgenden Überlegungen treffen nicht die Überflusshaushalte, sondern die Schwellenhaushalte wo nicht erreichbar zu noch erreichbar wird.
Wohn – Eigentum resp. ein eigenes Haus soll dem Menschen das Gefühl von Sicherheit und Unabhängigkeit nicht nur physischer, sondern auch ökonomischer Natur vermitteln.
Um das anhand lediglich überschlägiger Berechnungen zu verdeutlichen:
- Eine durchschnittliche Neubau – Immobilie mit ca 120 qm Wohnfläche für eine junge Familie mit 2 Kindern auf einem kleinen Grundstück mit Garten kostet aktuell ca. 550.000,- € bis ca. 600.000,- € (Region München deutlich mehr)
- Nebenkosten für Makler, Notar und Amtsgericht in Summe ca 12 % => 66.000,- €
- Einbauküche, Carport, Terrasse und ein bisschen was im Garten ca. 34.000,- €
- Die Gesamtinvestition beträgt also im Beispiel ca. 650.000,- €
Nun hätten die Banken gerne, wenn der Bauher 20 % Eigenkapital ins Projekt bringt….
Das wären hier 130.000,- € … aber, da diese Höhe für junge Familien mit 2 Kindern eher die Ausnahme ist, kommen je nach Einkommen der beiden i.d.R. berufstätigen Ehepartner auch Finanzierung mit z.B. nur 10% oder gar mit 0% Eigenkapital vor.
Für das o.a. Beispiel wird von 50.000,- € Eigenkapital ausgegangen, so verbleiben also 600.000.- € Finanzierungsbedarf. Auch bei Einbindung diverser Fördermöglichkeiten wird unter realistischer Vereinfachung des Finanzierungsmixes die Finanzierungsbelastung über alles bei ca 5% p.a. liegen ( bestehend aus 3% p.a. Zinsen und 2 % p.a. Tilgung) es errechnet sich eine Jahresrate i.H.v. 30.000,- € / bzw. 2.500,- € mtl. Dies entspräche einer monatlichen Kaltmiete.( 2500,- € / 120qm = 20,83 € / qm kalt !!! )
Hinzu kämen dann Kosten für Energie und Heizung sowie sinnvollerweise die Dotierung einer Instandhaltungsrücklage. Natürlich sind abweichende Konstellationen denkbar und möglich.
Die Laufzeit des Darlehens würde unter Beibehaltung der Konditionen bis zum Laufzeitende ca. 31 Jahre betragen … die gesamt Rückzahlungssumme ca. 932.000,- €. Die Instandhaltungsaufwendungen während dieser ca 31 Jahre werden auf nur ca. 50.000,- € geschätzt.
Unter Hinzurechnung der 50.000,- € Eigenkapital wurden also 1.032.000,- € aufgewendet. Das ist der Preis für den Wohnwert für 31 Jahre Wohnen.
Der Wert das nach 31 Jahren abbezahlten Hauses ist unwägbar und von vielen Faktoren abhängig. Bei guter Instandhaltung ist ein Wert i.H.v. ca. 750.000,- € – 800.000,- € vorstellbar.
Das ist der Wert der sich über den bezahlten Wohnwert hinaus gebildet hat. Sagen wir mal, dass ist der Mehrwert.
- Eigentlich nicht schlecht => 800.000,- x 100 : 31 = 2,5 % p.a
- 1.032.000,-
Die Relation wird ungünstiger, wenn der Zins steigen sollte, oder die Immobilienpreisentwicklung in 31 Jahren sich reduzierter zeigt als angenommen, oder die Instandhaltungskosten höher liegen als angenommen. Auch ist die Grundsteuer in den Kosten noch nicht berücksichtigt. Ein Zinseszinseffekt entsteht nicht.
Während dieser 31 Jahre wird folgendes passieren:
- Beide Kinder gehen in die Ausbildung oder ins Studium und ziehen aus
- Vermutlich werden damit verbunden zusätzliche Aufwendungen das Budget belasten
- Das Kindergeld wird entfallen
- Beide Eheleute werden voraussichtlich mindestens tarifliche Lohnerhöhungen erhalten
- Es bestehen die Unwägbarkeiten aus Lebensrisiken Jobverlust, Erkrankung, Tod, Scheidung, Aufnahme pflegebedürftiger Elternteile
Das Haus wäre hypothetisch ein denkbarer Platz des Menschen, den ihm (hoffentlich) niemand wegnimmt und den er bis zum Tod bewohnt ….
.… und dabei übersieht er, dass eigentlich nichts davon heute noch zutrifft…. weil er es übersehen und nicht wahrhaben will.
Die Anzahl der vielen Kompromisse die er heute mit sich selbst eingehen muss um dieses Grundbedürfnis nach Sicherheit und Unabhängigkeit durch eine Immobilie zu erfüllen … bringen ihn dann trotzdem und insbesondere in eine Vielzahl von gesellschaftlichen und vor allem ökonomische Abhängigkeiten.
Diese beeinflussen möglicherweise seine Berufswahl, seinen Arbeitgeber, seine Mobilitätserfordernisse, seine räumliche Flexibilität, möglicherweise die Anzahl Kinder die er sich leistet, sie beeinflussen seine Partnerschaft und sein empfundenes Lebensglück.
Das alles ist das Gegenteil von Unabhängigkeit…. und es liefert auch keine Sicherheit sondern das Gegenteil … Fragilität … Zerbrechlichkeit.
Tritt nur eines der üblichen Lebensrisiken ein… Krankheit, Arbeitslosigkeit, Tod eines Partners oder eines gemeinsamen Kindes, Scheidung, die Aufnahme pflegebedürftiger Elternteile so ist der Zusammenbruch des in der Immobilie manifestierten Lebenskartenhauses meistens die Folge.
Das, …. ist ein Leben auf der Rasierklinge.
"Alles was Du hast, hat irgendwann mal Dich"
Ich denke das ist auch der wesentliche Grund unserer derzeitigen gesellschaftlichen Gemütslage und Befindlichkeit.
Die einen wünschen sich verzweifelt Wohneigentum verbunden mit all den positiven Vorstellungen und arbeiten gestresst und unglücklich in ungeliebten Jobs um das zur Erreichung dieses Ziels erforderliche Einkommen zu erzielen ….
…. die anderen haben dieses Ziel erreicht und arbeiten gestresst und unglücklich in ungeliebten Jobs um das erreichte Ziel zu erhalten.
Die Folgen nennen wir „Burnout“ oder „quiet quitting“ (innere Kündigung). Dei Steigerung davon ist Selbsthass bis hin zum Suizid.
Ich war und bin – bis auf die finale Konsequenz – da keine Ausnahme, aber rückblickend kann ich festhalten, dass dies ein trauriges Resümee zu einem eigentlich „verfehlten Sinn des Lebens“ ist.
Es heisst …. „Alles was Du hast, hat irgendwann mal Dich“
Nirgendwo trifft das mehr zu, als in Bezug auf eine Wohnimmobilie.
Und nun ... ? Was kann man tun ?
Wir treten einen Schritt zurück und befreien uns von der Eigentumsfixierung und fragen uns nach dem eigentlich gesuchten Nutzen.
Unabhängigkeit + räumliche Flexibiltät
- Wird von Eigentum behindert.
- Zwar kann man eine Wohnung oder ein Haus auch verkaufen, aber der Zeitpunkt ist nie der richtige, das Zeitfenster immer zur knapp, der Preis niemals der beste… und die finanzierende Bank muss auch noch mitspielen … und am neuen Standort – wird dann wieder gekauft oder gemietet ?
- Man kann allerdings eine Wohnung / ein Haus auch vermieten mit den üblichen Vermietungsrisiken Mietausfall, Mietverschleiss/erhöhte Instandhaltung, Ärger mit dem Mieter, Verwaltungsaufwand
Soziale Flexibilität / Änderung der Partnerschaft, mehr oder weniger Personen im Haushalt
- Wird von Eigentum behindert da die vorhandene Immobilie in der Größe von Wohn + Nutzfläche nur sehr bedingt angepasst werden kann und zudem durch die eingeschränkte räumliche Flexibilität beeinträchtigt ist.
Sicherheit physisch
- Kein Unterschied zur Mietsituation
Sicherheit ökonomisch
- Je höher etwaige Verbindlichkeiten aus einer Immobilienfinanzierung sind, umso belastender wird dies empfunden und je nach Mentalität des Betroffenen umso größer ist der „Eintrag“ von Unsicherheit in und bei allen Lebensentscheidungen
Alternative Anlage
- Im o.a. Finanzierungsbeispiel errechnet sich eine Kaltmiete i.H.v. 20,83 / qm
- Unterstellt die alternative Kaltmiete in einer Mietwohnung würde bei (i.V. hohen) 15,83 € / qm liegen, so bedeutet dies bei 120qm Wfl. eine Ersparnis von 120 x 5,- = 600,- € / Monat.
- Unterstellt, eine Anlage von 600,- € p.M. wird in jedem Jahr bis zum 31.ten Jahr um 50,- € pro Monat erhöht. ( Grund ist die teilweise Weitergabe netto einer jährlichen Gehaltssteigerung um 2 % brutto) Die Anlage erfolgt in einem Fond der eine Rendite i.H.v. 4% p.a. erzielt. Nach 31 Jahren erreicht das angesparte Kapital ca 910.000,- davon ca. 502.000,- Einzahlungen und ca. 408.000,- Zinsen.
- Der Preis für den Wohnwert wäre deutlich geringer ca 707.000,- € statt 1.032.000,- € allerdings wäre der Komfort in einem Haus mit Garten auch hochwertiger
- Das nach 31 Jahren zur Verfügung stehende Vermögen 910.000,- € läge oberhalb des erhofften Immobilien Wertes 800.000,- €.
- Die Überlegung beinhaltet noch keine Mietsteigerungen, ebensowenig Anlageformen die Renditen auch deutlich > 4 % p.a. erzielen.
Im Gesamtbild spricht viel für die Anmietung einer Wohnung / Immobilie statt eines Eigentumserwerbs durch Bau oder Kauf eines Hauses. Das Problem ist das Angebot und die geringe Flexibilität in der Ausstattung. Man muss es halt nehmen wie es kommt.
Letztlich aber bleibt das eine Frage der persönlichen Präferenz und ist auch immer abhängig vom Angebot und dessen Verfügbarkeit sowie vom Zinsniveau.
Traumhaft….ist anders !
Cassius, 16.02.2026
(lest auch die anderen Blogbeiträge zum Thema Eigentum, Grundeinkommen und Zukunftsstadt)
Die Entscheidung für oder gegen Eigentum ist sicherlich zu einem grossen Teil von der finanziellen Situation des einzelnen Interessenten abhängig. Allerdings ist die Motivation meines Erachtens sehr viel Diverser und auch eine treibende Kraft die nicht im reinen Rechenbeispiel darzustellen ist. Auch gibt es das Szenario dass eine Finanzierung in der Alltagsbelastung geringer als eine Miete sein kann. Dabei wird gleichzeitig in Sicherheit investiert und nicht das Geld in einen fremden Topf geworfen. Lebensumstände können sich ändern und damit kann die Ursprungsmotivation auch ungültig werden, aber wenn man versucht alle Eventualitäten abzudecken behindert man das Leben und seine Entfaltung meiner Meinung nach.