Bin ich ein Auto – Fan ?
Geboren 1962, ein Mann, geprägt durch die 70-er und 80-er Jahre – später beruflich viel mit dem Auto unterwegs – wie kann ich da kein Auto – Fan sein.
Der Nutzen
Wenn man ländlich aufwächst ist das Auto nach Fahrrad und Mofa – neben dem Motorrad – der nächste logische Schritt zur Mobilität und der Zugang ins Leben.
Es bewegt Dich – wohin auch immer quer durchs Land und durch Europa – es beschützt Dich vor Wetter, es gibt der ersten Liebe eine Chance, es verschafft Dir Teilhabe am sozialen Leben, es ist Prestige – und Statussymbol und Mittel zur Balz … und letztendlich wird es auf diese Weise für viele ein Teil der Familie oder gar der Persönlichkeit. Unser Verhältnis zum Auto ist also „innig“ und emotional aufgeladen und das nicht nur in der westlichen Welt.
Und weil das so ist, konnte die Herstellung und Weiterentwicklung von „motorisierten Kutschen“ so grosse primäre und sekundäre Teile der Ökonomie „an sich reissen“, konnte daher auch ein Technologietreiber sein und zu einem sehr wesentlichen Faktor unseres Wohlstandes werden.
Es ist aber auch ein Verführer, es lässt viele über Ihre Verhältnisse leben und ist Grund vieler bizarrer Priorisierungen im Haushaltsbudget und ebenso bizarrer Rechtfertigungsversuche.
Viele Menschen sind „Eigentümer“ von zu grossen Teilen fremdfinanzierter Fahrzeuge, deren Kaufpreis das eigene Jahresgehalt fast erreicht oder manchmal gar übersteigt.
Im Ranking der „Konsumlebensziele“ steht nach dem „Haus im Grünen“ das Auto auf Platz 2.
In den Haushaltsbudgets von Singles und Paaren ist nach Miete und Nebenkosten das Auto der nächst grösste Posten, manchmal sogar der grösste ohne das dem „Budgetherren“ das bewusst ist.
Der „Nutzen“ des Autos besteht darin Dich von A nach B zu bewegen, aber die meiste Zeit des Tages steht es „nutzlos“ herum und kostet Platz der dazu dann auch noch vorgehalten, bezahlt / gemietet werden muss.
Sein „Prestige-Nutzen“ ist nicht nur abhängig von Modell und Kaufpreis, sondern vom jeweils vorherrschenden „Zeitgeist“ und kann seine Wirkung nur entfalten, wenn es zu seiner Wahrnehmung kommt und auch eine Verknüpfung zum Besitzer hergestellt werden kann.
Der „Prestige-Nutzen“ bindet allerdings den deutlich grösseren Kaufpreisanteil auf sich.
Dafür verlangt es Zuwendung nicht nur in Form von Betriebsstoffen um seinen Primärnutzen erfüllen zu können, es will je nach Modell auch aufwändig gewartet und mit Hingabe gepflegt werden.
Und nun in der Zeit weiteren technologischen Wandels kommt es zu „Störsignalen“ in diesem innigen Verhältnis. Menschen die durchschnittlich ca. 33 km pro Tag fahren bejammern eine „Reichweitenproblematik“ insbesondere für die längere Fahrt in den Urlaub in dem es keine Zeit gibt, sich 60 min an die Ladesäule zu stellen. Und obwohl das Auto von 24 Tagesstunden zwischen 22 – 23 Stunden ungenutzt steht, ist auch die „Ladezeitdauer“ Anlass leidenschaftlicher Diskussionen und medialen Geplappers. Das scheint mir irgendwie nicht schlau zu sein.
Das führt zwar positiv dazu, dass in diese Richtung gelenkte Forschung erfolgreich war, hat aber die Akzeptanz von E-Fahr-zeugen aus meiner Sicht unter dem Aspekt Klimaschutz unnötig verzögert, wobei Entsorgung und Sicherheitsthemen berechtigterweise auch noch zu klären waren und weiter sind.
Dies und ein paar „Designverirrungen“ haben die „emotionale Aufladung“ resp. deren Erhaltung merklich abkühlen lassen, den Rest hat der Preis und die Angst vor dem starken Wertverfall bewirkt. Das Elektroauto wird weniger geliebt. Es fehlt „an Story“.
Die Kosten
Die „Teslafizierung“ und die asiatische Design + Preis-offensive treffen auf uninspirierte deutsche „Bräsigkeit“ die zwar vereinzelt echte Spitzenleistungen zeigt, dies aber zu Preisen die nicht zu grossen Martvolumensanteilen führen können.
Die durchschnittliche Fahr – Nutzung eines Autos liegt bei ca. 1000 km / Monat oder 12.000 km / p.a. Das ist sowohl für Verbrenner als auch für Elektrofahrzeuge kein großer Kostenblock. Versicherung und Steuer liegen in ähnlicher Größenordnung.
Das teuerste am Auto ist nicht sein Betrieb, sondern die Wartung und vor allem sein Wertverlust. Wer sich genauer informieren möchte schaut den link unten.
Ich sag´s mal „klar“. Die Kosten pro km sind in der …
- „Brot und Butter Klasse“ ca. 0,60 € – 0,70 € / km
- „Ambitionierten Mittelklasse“ ca. 0,80 € – 0,90 € / km
- „SUV – Klasse“ ca. 0,70 € >1,00 € / km
- „… und sonst noch Klassen“ …. bis ca. 2,60 € / km
… und damit ist der stolze Besitzer eines Fahrzeugs der ambitionierten Mittelklasse mit 1000 km Fahrleistung p.M. tatsächlich mit Kosten i.H.v. ca. 900,- € mtl. „beglückt“.
Rechnet das bitte auf die Netto-Nutzungsstunden um …. ….und weint in Eure Kissen.
Maßgeblich ist natürlich der Anschaffungspreis der wiederum maßgeblich vom o.g. „Prestige-Nutzen“ getrieben ist …. also, seid Euch einfach nur klar, was die Projektion Eurer Großartigkeit Euch kostet.
Wertewandel
Genau da kommt es bei der jungen Generation zu einer veränderten Wahrnehmung. Im urbanen Raum verliert das Auto an Bedeutung, sofern die öffentlichen Verkehrsmittel gut ausgebaut und die Verfügbarkeit schnell getaktet ist. Prestigewert besteht dort eher darin, kein Auto zu brauchen und keines zu haben.
Ich selbst habe ca. 6 Jahre in Berlin gelebt und bei dem dort schon damals vorhandenen ausgezeichneten öffentlichen Verkehrsnetz auch für Fahrten ins Umland habe ich weder ein Auto gebraucht noch eines besessen.
Es wäre eher hinderlich, nutzlos und teuer gewesen. Ich war jung und hab das Geld dann in Lifestyle und Gastronomie „investiert“.
Im ländlichen Raum allerdings ist man mangels gut ausgebauter öffentlicher Verkehrsmittel zur eigenen Mobilität unverändert noch auf ein Auto angewiesen. Dort gilt der Doppelklang aus Nutzwert und Prestigewert weiterhin solange, bis die Verfügbarkeit autonomer Fahrzeuge ohne Fahrer das Mobilitätsproblem lösen kann.
Wer diesbezüglich die Entwicklung verfolgt, wird erkennen, dass dies voraussichtlich noch innerhalb der nächsten 10 Jahre erfolgen kann.
Autonome Fahrzeuge
An anderer Stelle auf der website bin ich im Beitrag „Grundeinkommen + Würde“ auf der Suche nach Einsparpotenzial … hier ist es klar zu finden.
Und es kann gehoben werden … durch die KI.
Autonomes Fahren ist bereits seit einigen Jahren in der Erprobung und konnte laufend verbessert werden. Die vom Unternehmen Alphabet (Muttergesellschaft von Google) mit dem Tochterunternehmen WAYMO mit tausenden fahrerlosen Fahrzeugen in Los Angeles, San Francisco, Phoenix und Austin betriebene Testflotte hat zwischenzeitlich mehrere Millionen Testkilometer absolviert und dabei Daten gesammelt
Die Technologie wird nicht nur von WAYMO sondern auch von Tesla und anderen laufend fortentwickelt. Gleichzeitig entwickeln sich auch die Fähigkeiten der KI rasend schnell, sodass nun in relativ kurzer Zeit autonomes Fahren überall flächendeckend möglich sein wird und in Abhängigkeit von behördlichen Genehmigungen dann „im Land ausgerollt“ wird.
Es gibt bereits Berechnungen und Prognosen nach denen die reinen Nutzungskosten pro km eines solchen autonomen Fahrzeuges ohne Fahrer sehr drastisch sinken werden und um 2035 lediglich noch einen kleineren Bruchteil der o.g. Kosten ausmachen werden.
Der Eigentümer von Tesla – Elon Musk – hat vor kurzem bekannt gegeben den Bau der Tesla – Fahrzeugmodelle „S“ + „X“ bis Mitte 2026 zu beenden. In Produktion verbleiben vorerst noch die Volumen – Modelle „3“ und „Y“. Tesla / Musk geht davon aus, dass „autonome Technologien“ d.h. Fahrzeuge aber auch der Humanoide Roboter „Optimus“ die Geschäftsfelder bestimmen werden.
Ich halte die Entscheidung für folgerichtig, zudem aber auch für massgeblich dafür, dass man nun auf Markteinführungen nicht mehr lange warten muss und die nun einsetzende Entwicklung den o.a. Horizont 2035 noch verkürzen kann und wird.
Ein autonomes Fahrzeug ohne Fahrer wird ein Prestige – Motiv der darin transportierten Person nicht mehr bedienen müssen. Die Modelle müssen auch nicht unbedingt vielfältig sein … aber sie sind hoffentlich nicht lieblos und hässlich.
Ich hoffe auf ein ikonisch- / kultiges Design wie z.B. die London-Taxis oder auch die Yellow-Cabs in New York.
Dies alles führt mich nun zu folgenden Thesen:
Zukünftig – d.h. voraussichtlich innerhalb der nächsten 10 Jahre – wird sich Mobilität von einem kostenintensiven Privatgut zu einer grundlegenden Infrastrukturleistung entwickeln.
Beginnend in China und Korea werden die dichter besiedelten Teile Europas und die grossen Städte der Welt sukzessive folgen, bei zunächst städtischer und danach zunehmend beschleunigt auch ländlicher Durchdringung.
Erheblich reduzierte Mobilitätskosten durch autonome Fahrzeuge und digitale Plattformen ermöglichen soziale Teilhabe und machen Mobilität zu einem universellen Grundservice – vergleichbar mit dem Internetzugang.
Dies und die Einbindung und Verwebung mit den überregional operierenden Verkehrssystemen hätte weitreichende Folgen für die Stadtplanung und den Energieverbrauch.
Aus Sicht von „creamus-futurum“ ist dies nicht nur ein technischer, sondern insbesondere auch ein kultureller Aspekt und wichtiger Beitrag für den sinnvollen und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.
- Die deutschen Premium Auto – Hersteller (Porsche, Audi, BMW, Mercedes) sollten sich sowohl im Sportwagensegment, als auch im Segment Luxuslimousinen auf sehr viel geringere Stückzahlen vorbereiten.
- Sie werden bald nur noch zur Bedienung eines Prestige – Motivs einer sehr gut verdienenden Avantgarde gebraucht.
- Diese Fahrzeuge sind für den Selbstfahrer gedacht, können aber auch autonom fahren.
- Einen Massenmarkt würde ich von dort aus nicht mehr bedienen.
- Möglicherweise kann sich Mercedes mit z.B. Scania im LKW Segment austoben, wobei auch dort klar ist, dass die Zukunft autonom und mit Strom fahren wird.
- Wenn ich VW wäre und angestammt einen Massenmarkt bedienen wollte (den Premiummarkt bediene ich ja schon durch Porsche, und Audi ), würde ich auf sehr, sehr grosse autonome Fahrzeugflotten setzen und dort ca. 3 Modelle unterschiedlicher Größe und Ausrichtung platzieren.
- Der Wettbewerb wird in Form von Tesla, Toyota und Ford sowie ggfls. noch einem chinesischen und einem koreanischen Unternehmen bestehen.
- Da die Produktionskosten sich infolge erheblich reduzierten Menscheneinsatzes und verstärkten Robotereinsatzes und noch höherer Automation international zunehmend angleichen werden, kann es dazu kommen, dass die Umweltkosten resp. die Transportkosten für Fahrzeuge aus Asien das Preisgefüge zu Gunsten der europäischen Fahrzeuge gestaltet – Zölle wären ja auch noch optional.
- Ich würde prüfen, ob eine Fusion mit Stellantis sinnvoll ist. Vermutlich würde ich mich auf Europa + Afrika konzentrieren weil mich die Umwelt + Transportkosten nach Asien + USA dort aus dem Markt kicken – oder Zölle.
- Eine Produktion in Asien oder USA würde ich angesichts der geopolitischen Unwägbarkeiten vermutlich nicht aufnehmen.
- Die Palette abrunden würde ich mit Fahr-zeugen speziell für Handwerker (Kleinbusse, Transporter + Pritschen etc. sowie Fahrzeuge für besondere Einsatzzwecke) … oder ich würde mit Ford einen deal machen das Segment dort exklusiv zu platzieren.
4. infolge der Flotten mit autonomen Fahrzeugen werden nicht mehr Einzelfahrzeuge „ins Eigentum“ des Konsumenten finanziert oder geleast. Das Finanzier-ungsgeschäft der Banken und der Absatz-finanzierer mit den Endkonsumenten entfällt.
5. Es bedarf auch keiner grossen Händlerstrukturen und – Vielfalt mehr, keiner repräsentativen Glaspaläste – ausser ein paar Showrooms für die Premium-segmente zur Einwerbung der Avantgarde und natürlich einer gross dimensionierten Wartungs – Infrastruktur.
6. Der Mobilitätsmix der Zukunft beginnt mit dem autonom fahrenden Fahrzeug auf kurzen und mittleren Strecken. Die Langstrecke wird die absolute Ausnahme sein. Mittlere und lange Strecken werden mit der Bahn und später dem Transrapid oder gar irgendwann mit dem Hyperloop-Train absolviert. Am Zielort fährt man wieder mit autonomen Fahrzeugen.
7. Geflogen wird – mit Ausnahme von USA, Kanada, China, Russland und Indien die wegen der Größe auch noch Inlandsflüge haben – nur noch international bzw. interkontinental.
Was heisst das konkret für mich ?
Ich werde unseren 10 Jahre alten Verbrenner, den ich mit aktuell ca. 8000 km / p.a. noch fahre, noch ca. 2 weitere Jahre fahren und dann gegen ein Selbstfahrer – Elektrofahrzeug tauschen, dass ich nicht mehr kaufen sondern nur noch leasen werde.
Dieses geleaste Elektrofahrzeug werde ich weitere 4 Jahre fahren und hoffen, dass von heute an in ca. 6 Jahren – wenn ich fast 70 Jahre alt bin – die autonome Elektromobilität meine stadtnah / ländliche Region erreicht hat …. und das RoboTaxi wie ein London Taxi aussieht.
Mein Verhältnis zum Auto …. ? …. wird wohl „innig“ bleiben
… selbst – oder gerade dann, wenn es „nur noch das London Taxi ist“
… und vom Elektro – Porsche träumen … ? Ja, … vielleicht nimmt mich mal einer mit, wenn ich da ohne Bandscheibenvorfall wieder rauskomme.
Au … Auto !!!
Was denkt Ihr zum Thema autonomes Fahren in Zukunft ? … oder zu den anderen Mobilitätsformen ?
Schreibt mir in den Kommentaren.
Cassius, 10.02.2026
(Lies auch die Blogbeiträge „Zukunftsstadt“ und „Grundeinkommen + Würde“)